Der erste Tag: der Tag der Formgebung

Schauen wir uns den Text der ersten Verse der Bibel dazu an, sehen wir, daß zu Anfang die Erde formlos war. Bei Luther liest sich das so: „Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe;“ man sieht eine Leere. In der englischen King James Bible hat der Übersetzer folgende Worte gewählt: „And the earth was without form, and void; and darkness was upon the face of the deep.“ Hier wortwörtlich „without form“, auf deutsch: ohne Form. Man sieht an der wortwörtlichen Unterschiedlichkeit der Übersetzungen auch, wie fragwürdig eine Textauslegung ist, die unbedingt auf eine bestimmte Übersetzungsversion der Bibel pocht. Es ist auch wichtig, daß man die Auslegung im Gesamtzusammenhang der Bibel sieht und nicht nur drei einzelne Verse in einen Winkel presst. Oder gar nur eine einzige Stelle als Beleg nimmt.

In diese Formlosigkeit und Leere tritt die Schöpfergottheit nun uns spricht. Daraufhin wird Licht, das Licht wird angesehen und als gut befunden. Was auf eine Form hinweist. Das Licht wird von der Finsternis getrennt, was weitere Formgebung in der Schöpfung bedeutet. Nicht wahr? Ein Gegenstand gewinnt seine Gestalt, seine Form dadurch, daß er seine Grenzflächen, seine Kontur hat und dort nach seinem Ende eben das andere nicht ist. Schließlich werden Tag und Nacht benannt. Und damit war am Schluß des ersten Tages Form gegeben.

„Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.“, der erste Tag wurde aus diesem Abend und Morgen. Einerseits, konkret, ist damit der erste Tag quasi zusammengebaut aus diesem Ablauf von Abend und Morgen. Desweiteren aber ist aus diesem gesammten Tage des Ablaufs von Abend und Morgen der erste Tag hervorgebracht und ist im Begriff des hervorgebracht seins. Der erste Abend und Morgen, der Tag der Form, bringt den Tag der Form hervor.

Die zwei Zeugen: Adam und Eva

Das göttliche Prinzip der zwei Zeugen für eine Wahrheit gilt natürlich auch für die Auslegung der Schöpfungstage. So hat jeder der Tage auch zwei Zeugen, die für ihn sprechen, ihn einleiten und ihn mit hervor bringen.

Für den ersten Tag sind diese zwei Zeugen Adam und Eva. Sie offenbaren die Form des Menschen. Durch ihr erscheinen wird die menschliche Form zum ersten Mal in der Schöpfung sichtbar. Adam und Eva sind im Ebenbild Gottes erschaffen, dadurch können Engelwesen und der Rest der Schöpfung zum ersten Mal die menschliche Form erblicken. Dadurch geben Adam und Eva Zeugnis von der menschlichen Form.

Diese Form ist ja weiterhin aktuell. So kann man sehen, wie der erste Tag weiterhin andauert. Wie Adam und Eva diesen ersten Tag hervor bringen. Und wie dieser erste Tag seine Gültigkeit immer behalten wird.

Man könnte meinen, nach dem Tode würden wir in anderen Sphären vielleicht anders aussehen. Aber so verhält es sich nicht. Bevor er den Menschen schuf, entscheidete Gott sich für die Form des Menschen. Und so werden wir immer sein und aussehen.

Sicherlich wünschen wir uns hier und da etwas „aufpoliert“ zu werden, aber was die grundsätzliche Form anbelangt, möchten wir doch letzlich sein wer wir sind. Menschen. Und aussehen wie wir aussehen: wie Menschen.

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