Die Universalgeschichte im Überblick

Der erste Tag ~ Das Zeitalter des Irrsinns ~ Urgeschichte und Verheißung ~ Der Anfang der Geschichte ~ Das Dritte Fest Israels ~ Das Zeitalter des Königreiches ~ Der neue Tag

Der erste Tag

Tatsächlich siedelt sich die Bibel in ihrer Schau auf epochale Abläufe nicht irgendwo zwischen Heils- und Weltgeschichte an, sondern ist in ihrer Darstellung ihrem Anspruch gemäß universell und gesamtumfassend. Sie beschreibt, wenn auch in Teilen skizzenhaft und rudimentär, die Gestalt der Universalgeschichte und gibt uns so den totalen Überblick an die Hand. Für die Mehrheit der Bibelleser wird dies wohl weniger ihr Hauptanliegen sein, hier wollen wir aber diese Universalgeschichte überblicksartig gereichen.
In den Beiträgen zu den Schöpfungstagen hatten wir schon angedacht, wie die einzelnen Qualitäten der Heilsgeschichte in zunehmendem Maße durch Gott in die Schöpfung gegeben werden. Wie jeder konkrete 24 h – Tag der Schöpfungswoche auch einen metaphorischen Charakter aufweist und auf einen weiteren Schritt der Heilsgeschichte zeigt. So bilden die Schöpfungstage selber einen Typus der Heilsgeschichte und somit die Schöpfungswoche einen Typus der Heilsgeschichte, die aus dieser Perspektive betrachtet selbst die Form einer Woche annimmt. Wenn also die eigentliche Schöpfung selbst in Wochenform stattfindet, sich ebenso die Heilsgeschichte im Rhythmus der Wochenform abspielt, stellt sich die Frage ob sich die Weltgeschichte selber dann nicht auch in irgendeiner Weise der Wochenform unterworfen findet? Nun, der Logik nach jedenfalls solange die Heilsgeschichte ihren ersten Zyklus abläuft. Oder aber es findet sich in der Geschichte von Adam bis Noah noch eine weitere (bis dato dem Autor unbekannte Wochenform). Wenn es logisch so sein kann, wie sieht es dann konkret tatsächlich aus?
Die Suche nach einer Darstellung der Weltgeschichte in Wochenform dauert nicht lange, wenn man im bibelorientierten Schriftgut sucht. Die Gleichsetzung eines (Wochen)tages mit jeweils einem Jahrtausend ist relativ verbreitet, es hat sich für sie zumindest im angelsächsischem Sprachraum die Bezeichnung Millenial Day Theory herausgebildet. Die wahrscheinlich früheste Quelle für diese Annahme ist der apostolische Barnabasbrief aus der Zeit um die erste Jahrhundertwende. Auch andere frühchristliche Schriften gehen von einer Weltwoche aus 6000 Jahren Geschichte und einem tausendjährigem Weltsabbat aus. Mit anderen Worten: schon für den Beginn des Christentums ist diese Erkenntnis verbucht was allerdings nicht ausschließt, daß schon vorher Menschen davon gewußt haben. Man denke nur beispielsweise an die Prophezeiungen im Buch Daniel oder mögliche Einsichten bei Hiob oder Henoch.
Wenn wir von einer 6000 Jahre alten Erde ausgehen und dazu das Zeitgeschehen als “endzeitlich” begreifen, dann trifft es ja auch. Was gibt es da noch zu rätseln?
Wir gehen also von einer 7000jährigen Geschichte bis zum Tage des Gerichtes aus, wobei wir hier den Gerichtstag als “Tag der Geschichte” bezeichnen wollen, um möglichen Verwechselungen zu entgehen. Das ergibt dann das folgende Bild:

  • Der erste Tag fängt mit Beginn der Schöpfung (Genesis 1, 1) auf dreifacher Weise an:
    1. Als erster konkreter 24h-Stunden Tag der konkreten Schöpfungswoche.
    2. Als erstes Jahrtausend der Menschheitsgeschichte, also als erster Tag der Weltwoche.
    3. Als erster Tag im Sinne der ersten Qualität der Schöpfung und der Heilsgeschichte: als Tag der Formgebung.

Das Zeitalter des Irrsinns

Wie wir Gott sei Dank aus der Bibel wissen, haben Adam und Eva den Sündenfall herbeigeholt. Sie entschieden sich für den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse und gegen den Baum des Lebens. Dies brachte den Tod und die Sünde in die Schöpfung. An dieser Stelle sei noch darauf hingewiesen, daß der Zeitpunkt des Sündenfalles der Schlange genau der gleiche ist, wie der des Menschen. Die Geschöpfe arbeiteten zusammen. Dies geht aus der Erzählung der Bibel deutlich hervor, auch wenn erfahrungsgemäß viele Bibelstudenten daran vorbei lesen. Oft so geleitet von ihren Bibellehrern. Hoffentlich ist das keine Metapher zur Szene im Garten!
Der für unsere Zwecke wesentliche Aspekt: mit dem Sündenfall begann das Zeitalter des Irrsinns, denn die Menschen waren irre geworden und erkannten die Wahrheit nicht mehr. Sie waren jetzt dem Tode unterworfen und mit ihnen war die Schöpfung dem Tode unterworfen. Seit jenem Tage sterben die Menschen und die Schöpfung stirbt mit. Wir nennen das heutzutage manchmal “Umweltzerstörung” und verkennen trotzdem oftmals den Ursprung dieses Problems.
Zu den oben als drei Tagen identifizierten Strömen gesellt sich also noch der, der Finsternis, den wir hier als “Zeitalter des Irrsinns” bezeichnen wollen. Was bitte nicht zu einer Verharmlosung des Bösen führen soll, sondern stattdessen einfach die hier relevante Hauptqualität auszeichnet.

Urgeschichte und Verheißung

Mit der Vertreibung aus dem Paradies wurden weitere Schritte des Sterbens begangen, aber in diese Verlorenheit hinein sprach Gott sein Heilswirken, indem er Felle zur Bekleidung gab und die gefallene Schöpfung mit Hoffnung ausstattete indem er die letztendliche Rettung versprach.
Das Sterben der Schöpfung wurde dadurch freilich nicht abrupt gestoppt, sondern nahm im Gegenteil, erste große Höhepunkte. Nachdem unter anderem Totschlag und falsche Religion Einzug erhalten hatten, kam es zur Sintflut und katastrophenartigen, gewaltigen Umwältzungen. Schließlich zur Staatenbildung mitsamt Imperialismus und dem Auseinanderbrechen der linguistischen Einheit. Die Kriegstreiberei wird auch die Sklaverei mit sich gebracht haben, falls diese nicht schon zu vorsintflutlichen Zeiten bestand gehabt hatte.
Nach diesen urgeschichtlichen Entwicklungen trieb Gott seine Sache mit zwei großen Bundesschlüssen voran.
Zuerst schloß er den Bund mit Abraham. Dies bedeutet die Einleutung des zweiten Schöpfungstages, des Tages der Verheißung. Dann schloß er den Bund mit Mose und den Israeliten, damit begann der dritte Schöpfungstag. Der Tag des ewigen moralischen Gesetzes. Jetzt waren also die ersten drei qualitativen Schöpfungstage begonnen und die ersten zwei Millennia der Weltzeit angebrochen.
Mit dem Auszug der Israeliten aus Ägypten und den darauf folgenden Ereignissen war aber auch ein weiterer historischer und heilsgeschichtlicher Betrachtungshorizont sichtbar geworden. Und zwar die drei Hauptfeste Israels, die im alten Bund Mose alljährlich begangen wurden und als Vorschatten auf die tatsächlichen drei Heilsereignisse zeigten. Diese drei Feste fanden in der israelitischen Zeit allerdings nicht nur als wiederkehrende Jahresfeste statt, sondern sind gleichzeitig auch historische Ereignisse im damaligen Geschehen. Damit sind die Nacht des Todesengels, die Durchquerung des Roten Meeres und der Einzug Gottes in den Tempel Salomos gemeint. Diese drei Ereignisse sind es, die in den drei Festen Israels bedacht sind und die Vorschatten sind auf die drei Heilsereignisse im Neuen Testament (Bund).

Der Anfang der Geschichte

Mit der Herrschaft König Davids war nicht nur das Heilige Land in israelitischen Gewahrsam gekommen, sondern auch die Jahrtausendwende erreicht. Die ersten drei Jahrtausende waren verstrichen und drei noch sollten kommen, bis das Sabbatjahrtausend beginnen werden wird. Die ersten drei Schöpfungstage hatten ja begonnen und nachdem die Vorschattenereignisse geschahen, kam es zum Niedergang der politischen Kraft Israels. Die mündete in der kompletten Vernichtung Jerusalems und der Verschleppung in die babylonische Gefangenschaft. Mit diesem Ereignis beginnt jedoch auch die eigentliche Geschichte, wir befinden uns also am Übergang von der Urgeschichte in die geschichtliche Zeit. Weil jetzt die Chroniken des Westens, des Südens, des Ostens und der Bibel miteinander abgeglichen werden können. Wir sind für die Geschichtsschreibung nicht mehr auf fragwürdige Spekulationen aus Quellen seltsamer geistlicher Disposition angewiesen. Es kommt im weiteren Verlauf zur Rückkehr und Wiederaufbau von Jerusalem, Stadt und Tempel. Manch einer nannte hier die darauf folgende Zeit ob ihrer Prophetenlosigkeit als eine Ruhe die dem Menschen seine eigene Antwortlosgkeit aufzeigen soll.
Dann schließlich kommt es zum Auftritt des angekündigten Erlösers. Der Messias Jesus Christus erfüllt seinen göttlichen Dienst und besiegt den Tod. Damit ist der Weg frei um das Dahinsiechen der gesamten Schöpfung umzudrehen und das Werk der Erlösung und damit auch die Heilsgeschichte seinem Finale zuzuführen. Mit dem Glauben an Christus hat der Neue Bund begonnen und das Königreich Gottes wurde gestartet. Hier beginnen auch die vierten und fünften qualitativen Schöpfungstage. Das sind der Tag des Lichtes und der Tag des Beginn des Lebens. Die Ereignisse in Gethsemane und Golgatha einerseits und zu Pfingsten andererseits, erfüllten die ersten beiden der drei großen Feste Israels. Christus ist der zweite Adam, eine neue Schöpfung. Die neue Schöpfung hat ihren Anfang genommen. Es ist vollbracht. Etwa 1000 Jahre nach David hat sich die Verheißung erfüllt und die Weltwoche wartet noch zwei Jahrtausende bis zum Beginn des Sabbatjahrtausends und damit der Erfüllung des dritten Festes.

Das Dritte Fest Israels

Mit dem zweiten Fest (Pfingsten), dem fünften Tag (Pfingsten) und dem vierten Jahrtausend begann auch die Kirchengeschichte. In dieser leben wir seit etwa zwei Jahrtausenden und zwar in der Erwartung auf die Apokalypse, d. h. der Offenbarung Jesu Christi. Manche Christen meinen, daß die Ansprachen in den Sendschreiben an die sieben Gemeinden Kleinasiens in der Offenbarung Jesu Christi, bezeugen auch sieben Zeitalter oder Epochen der Kirchengeschichte. Dieser Autor stimmt dem zu, empfindet allerdings die gemeinhin verbreiteten Unterteilungen als unstimmig. Hier ist sicherlich Raum für mehr als ein gutes Werk. Abgeschlossen wird die erste Großepoche der Kirchengeschichte jedoch von der Apokalypse. Vorher noch, d. h. in den Ereignissen unmittelbar vor der Apokalypse findet das dritte Heilsereignis statt, das dritte Fest. Alle diese Zählsteine weisen darauf hin, daß wir uns tatsächlich kurz vor der Zeitenwende befinden.

Das Zeitalter des Königreiches

Mit dem dritten Fest beginnt dann das Zeitalter des Königreiches. Das ist ja angekündigt durch das Evangelium vom Königreich. Der nächste Schritt ist damit erreicht. Und zwar ist jetzt das Königreich von außen sichtbar. Das ist zum Unterschied zur Form, wie es ab Johannes dem Täufer ward. Dies geschieht während des dritten Festes, nicht etwa direkt zu seinem Anfang. Das ist die Apokalypse, die Offenbarung, die Offenlegung Jesu Christi. Die Anwesenheit Gott des Vaters im Menschen ist jetzt von außen sichtbar. Der Tempel Salomos war der Ort der Anwesenheit Gottes und Vorschatten auf diese dann jetzt sichtbare Anwesenheit Gottes im Menschen. Damit ist die Gottebenbildlichkeit des Menschen wieder voll hergestellt, deswegen beginnt dann der nächste qualitative Schöpfungstag, der Tag des Ebenbildes. Auch beginnt damit das Sabatjahrtausend, das siebte Jahrtausend der Weltwoche.

Der neue Tag

Nach den tausend Jahren kommt der Tag der Geschichte, an dem die gesamte Geschichte offenbar wird. Es ist ein Tag des Gerichtes. Danach ist jede Anklage verstummt. Und damit kann Gott in seine Ruhe einkehren, deshalb beginnt dann der siebte qualitative Schöpfungstag, der Tag der Ruhe Gottes. Die sieben Tage der Heilsgeschichte sind damit alle angelaufen und laufen für immer. Die erste Weltwoche ist jetzt vorbei, und damit ein Zeitalter, welches selbst aus zwei Zeitaltern besteht: dem Zeitalter des Irrsinns und dem  Sabbatjahrtausend, welches ist das Zeitalter der Antwort Gottes auf den menschlichen Irrsinn. Nun folgen weitere Zeitalter. Was in diesen passiert ist für uns jetzt kaum vorstellbar und bisher für uns nicht zu wissen. Das einzige was wir wissen, ist das diese Zukunft aus einer fortwährenden Reihe von weiteren Zeitaltern besteht und in jedem dieser Zeitalter Gott einen weiteren Zweck verfolgt und einen weiteren Weg, Jesus zu kennen zeigt. Diese Entfaltung immer weiterer Realitäten und neuer Aspekte Gottes durch die Jahrtausende jener zukünftigen Zeitalter hindurch wird niemals aufhören.

Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.