Schatten des Himmlischen

Beide Teile der Bibel erhalten ihre Entfaltungsläufe durch einen zentralen Propheten Gottes. Das Alte Testament durch Mose und das Neue Testament durch Jesus. Im zweiten Buch von Mose – Exodus, was Auszug heißt – beschreibt Mose den Auszug der Israeliten aus Ägypten. Nach dem Evangelium ist die Apostelgeschichte der zweite Abschnitt des Neuen Testamentes. Hier ist der Auszug der Apostel – das heißt: Fortgesandter – aus Judäa in die weite Welt beschrieben.

In der Apostelgeschichte ist dieser Zusammenhang bestätigt, indem Mose zitiert wird: „Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, euer Gott, erwecken aus euren Brüdern; den sollt ihr hören in allem, was er zu euch sagen wird.“ und zwar von dem Apostel Petrus, der in seiner Rede vor dem Tempel über Jesus spricht. Er bezeichnet Jesus als diesen Propheten, von dem Mose sprach, daß er gleich sei wie dieser.

Nach der Apostelgeschichte stehen im Neuen Testament die Briefe von den Aposteln und Helfern geschrieben. In dem Brief an die Hebräer steht über Jesus: „Jesus, der da treu ist dem, der ihn gemacht hat, wie auch Mose in Gottes ganzem Hause.“ Ganz ähnlich wie im Alten Testament über Mose geschrieben ist: „Aber so steht es nicht mit meinem Knecht Mose; ihm ist mein ganzes Haus anvertraut.“

Und so ist die ganze Bibel voller solcher Bezüge, die dem Leser deutlich machen, daß Mose eine Art „Schablone“ für Jesus ist.

Man spricht von einem Typen und seinem Antitypen. Wobei „anti“ ein griechisches Wort ist, welches auf deutsch heißt: „an Stelle dessen“ oder kürzer: „stattdessen“. Dieses ersetzen des einen Typen an Stelle des anderen kann aus verschiedenen Beweggründen passieren und ist zunächst wertfrei ausgesprochen. Der Antityp wird durch den Typ ersetzt, aus welchem Grunde auch immer – oder eben umgekehrt.

Mose einerseits und Jesus andererseits sind also Typ und Antityp.

Die Bibel selber nennt solche Typen beispielsweise Abbild oder Schatten, wenn sie diese direkt anspricht. Zum Beispiel im Brief an die Hebräer:

„Sie dienen aber nur dem Abbild und Schatten des Himmlischen, wie die göttliche Weisung an Mose erging, als er die Stiftshütte errichten sollte: »Sieh zu«, sprach er, »dass du alles machst nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist.«“

Hier wird erzählt, daß Mose die Geräte der Stiftshütte auf dem Berg Sinai als eine Vision gesehen hat. Und nach diesem Vorbild wurden die Geräte dann auf der Erde nachgebaut. Diese Geräte sind Schatten von Dingen aus dem Himmlischen. Diese Geräte sind also Typen von himmlischen Dingen.

Man kann erkennen, daß nicht nur Personen sondern auch andere Dinge Typen bzw. Antitypen sein können. Sogar, daß Dinge auf der Erde Typen von Dingen aus dem Himmel sein können.

Diese Lehre von Typen und Antitypen bezeichnet man gemeinhin als Typologie. Uns interessiert hier natürlich die biblische Typologie. Typologien werden aus allen möglichen Gründen in der wissenschaftlichen und kulturellen Arbeit verwendet und aufgestellt. Den Sinn der biblischen Typologie zeigt uns die Bibel selbst auf.

Lesen wir noch einmal weiter im Hebräerbrief: „Da dies alles so eingerichtet war, gingen die Priester allezeit in den vorderen Teil der Stiftshütte und richteten den Gottesdienst aus. In den andern Teil aber ging nur „einmal“ im Jahr allein der Hohepriester, und das nicht ohne Blut, das er opferte für die unwissentlich begangenen Sünden, die eigenen und die des Volkes. Damit macht der Heilige Geist deutlich, daß der Weg ins Heilige noch nicht offenbart sei, solange der vordere Teil der Stiftshütte noch bestehe.“

Damals ging der israelische Priester immer in den vorderen Teil der Stiftshütte und nur ganz selten auch in den anderen Teil. Dieses Handeln des Priesters ist auch wieder ein Typ. Und zwar soll damit angedeutet sein, daß der Weg ins Heilige noch nicht ersichtlich war. Es geht also bei der biblischen Typologie um das deutlich machen von biblischen Dingen. Die Typen- und Antitypenpaare sollen uns helfen zu verstehen. Sie sollen uns die Dinge Gottes deutlich machen und tieferes Verständnis bereiten.

So macht uns das Leben von Mose das Wirken von Jesus deutlich, wenn wir die Dinge, die Mose tat und aufschrieb als Vorschatten sehen auf Dinge, die im Neuen Testament passieren. Denn Mose und Jesus sind Typ und Antityp. Und entsprechend erfüllen sich die seltsammen Dinge des Alten Testamentes für uns mit Sinn, wenn wir sie im Lichte betrachten, daß uns Jesus Christus ist.

Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.